WEG Gw 156 - Ein LGB-Umbau

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Max Hensel
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WEG Gw 156 - Ein LGB-Umbau

Beitrag von Max Hensel »

Hallo Zusammen,

heute möchte ich euch ein weiteres Teilprojekt meines Vorhabens Meterspurbahnen in Baden und Württemberg vorstellen. Den gedeckten Güterwagen Gw 156 der Württembergischen Eisenbahngesellschaft (WEG)als Umbau auf LGB-Basis.

Warum einen gedeckten Güterwagen?
Während Massengütter im Südwesten schon früh auf Regelspurwagen mit Rollböcken oder Rollwagen transportiert wurden, verwendete man für den Transport von Stück-, Eil- und Expressgut bis zum Ende der 60er Jahre häufig Schmalspurgüterwagen. So gibt es vom Altensteigerle Bilder aus den 60er Jahren von reinen Schmalspurgüterzügen mit gedeckten Güterwagen. Auch auf der Strecke Mosbach - Mudau wurden bis Ende der 60er Jahre Züge gefahren, die neben Rollwagen mit Regelspurwagen aus mehreren Gw und GGw bestanden.

Auf der WEG-Schmalspurstrecke Amstetten - Laichingen wurden die gedeckten Güterwagen vorwiegend als Express- und Stückgutwagen in Personenzügen und GmP's mitgeführt. Da die WEG nur einen Packwagen besaß, wurden die gedeckten Güterwagen auch immer wieder als Behelfspackwagen verwendet. Dazu besaßen die Gw's eine Leitung für die Dampfheizung.
Ende der 40er/Anfang der 50er Jahre wurde sogar ein (allerdings gebremster) Güterwagen als Packwagen umgebaut. Dafür bekam er eine Tür in der Stirnwand, ein Fenster je Seite und ein Trittbrett.
Erst der Einsatz von Triebwagen mit geräumigen Gepäckabteilen ab 1956 machte die gedeckten Güterwagen und die Packwagen bei der WEG überflüssig.
Der ehemals gebremste Gw 153 ist bei der Härtsfeldmuseumsbahn e.V. (HMB e.V.) betriebsfähig erhalten, ebenso der Pufferwagen 155, der aus einem Ow/Hw umgebaut wurde. Der Gw 156, um den es im folgenden Bericht gehen soll, ist nicht betriebsfähig bei der HMB erhalten und dient abgeplant als Lagerraum.

Der Gw 156 war ungebremst. Wie alle schmalspurigen Güterwagen der WEG wurde er 1901 von der Waggonfabrik Kelsterbach für die Schmalspurbahn Amstetten - Laichingen gebaut. Neben der Heizleitung besaß der Güterwagen eine Druckluftleitung, eine außenliegende Balancierhebelkupplung und an einer Stirnseite Rangiertritte mit Griffen.


Zum Umbau
Basis für den Umbau war ein herkömmlicher Standardgüterwagen von LGB, den es in verschiedenen Farbvarianten gibt. Inspiration für den Umbau waren die beiden Bauberichte im Buntbahnforum von Fido und Kellerbahner.

WEG Gw 156 01 (Max Hensel)
Bild
Bild auf Papa's Harzanlage

Das sind die wichigsten Änderungen, die ich an dem Modell vorgenommen habe:

Fahrwerk
- Abfräsen der Pufferbohle auf die gleiche Höhe der Längsträger.
- Verschließen aller Ausnehmungen und Löcher in den Längsträgern und der Pufferbohle.
- Festlegen der Achsen, Einbau einer einfachen Dreipunktlagerung, Einbau von Messinggleitlagern. Als Schmierstoff in den Achslagern verwende ich ein Mineralöl der ISO Viskositäts-Klasse 680. Aktuell sind V-Speichenräder mit einer Spurkranzhöhe von 2mm verbaut.
- Einbau der vorbildgerechten Balancierhebelkupplung von Schiede.
- Ausrüstung mit einer Heizleitung aus Messingdraht mit kleinen Messingschellen und Heizkupplungen aus dem Sortiment von Heyn.
- Ausrüstung mit einer Druckluftleitung aus Messingdraht mit kleinen Messingschellen. Die Luftabsperrhähne und Kupplungsköpfe sind aus dem Programm der Modellbahnmanufaktur Crottendorf. Die Bremsschläuche sind aus einem Schrumpfschlauch. Der Wagen besaß auch beim Vorbild keine Möglichkeit zum Einhängen der Bremsschläuche.
- Einseitig Anbau von zwei Rangiertritten aus geätztem Neusilberblech und Messing.

Wagenkasten
- Entfernen von sämtlichen angesprizten Teilen wie Türanschläge etc.
- Nachgravieren des linken Feldes: Dafür habe ich die Bretterfugen mit einem Höhenreißer angerissen und freihändig nachgeschabt.
- Anbau von zwei Griffstangen aus Messingdraht. Die Enden sind plattgedrückt, aufgebohrt und mit einem 0,8 mm Niet in den Wagenkasten gesteckt.
- Ergänzung von Beschlagteilen, Profilen, Türanschlägen, Lüftungsklappen etc. aus Messingblech, Messingwinkeln und Karton.
- Neubau der unteren Türführung aus Messingblech und Messingniete - dabei wurde auch die Öffnungsrichtung der Tür korrigiert.
- Neubau der oberen Türführung aus Messingdraht. Auf die Enden des Drahtes ist ein Gewinde M1,2 geschnitten, sodass die Stange zwischen den Haltewinkeln verschraubt werden kann.
- Verbreiterung der Türöffnung auf die Türbreite
- Aufdoppeln der Stirnwände mit 2mm-Stahlblech, damit der Wagen schwerer wird und eine bessere Gleislage bekommt.
- Verkleidung der kompletten Innenwand mit graviertem Sperrholz mit einer Dicke von 0,4 mm.

Türen
- Anbau eines Griffs analog der Griffe am Wagenkasten.
- Ersetzen der Türverriegelung durch ein Gussteil aus dem Programm der Modellbaumanufaktur Crottendorf.
- Ergänzung der Rollen der unteren Türführung. Die sind ebenfalls ein Gussteil der Modellbaumanufaktur Crottendorf.
- Einbau von Führungswinkeln aus Messing für die obere Führungsstange.
- Nachgravieren der Bretterfugen auf der Türinnenseite.

Dach
- Bespannen mit einem ausrangierten Arbeits-T-Shirt als Imitation der Leinenbespannung.
- Anfertigen der Dachrinnen nach Vorbild aus Messingblech. Damals hatte man die Dachrinnen tatsächlich auf die Leinenbespannung gesetzt.

Im innern ist der Wagen grau lackiert, außen braun, der Rahmen schwarz. Insgesamt wurden an dem Wagen noch rund 200 Messing- und Kupferniete verbaut. Durch ein Gesamtgewicht von knapp einem Kilo, der Gleitlager sowie der Dreipunktlagerung hat der Wagen exzellente Fahreigenschaften. Im nächsten Bild sehen wir den Wagen eingestellt als Expressgutwagen in einem Personenzug im Harz. Durch die Heizleitung ist er für diese Aufgabe gut geeignet. Zugschlussscheibenhalter hatte der Wagen nicht, deswegen fährt er hier mit dem vereinfachten Zugschluss, wie es damals bei der WEG auch üblich war.

WEG Gw 156 02 (Max Hensel)
Bild
Bild auf Papa's Harzanlage

Alle Veränderungen an dem LGB-Modell werden in folgendem Bild deutlich:

WEG Gw 156 03 (Max Hensel)
Bild
Bild auf Papa's Harzanlage

Auch auf meinem Meterspurmodul fühlt er sich ganz wohl (ja, es steht hier wirklich in der Küche):

WEG Gw 156 04 (Max Hensel)
Bild

Als nächstes bekommt der Wagen noch seine Beschriftung. Auch einige Details werden noch farblich abgesetzt. Zum Schluss möchte ich den Güterwagen noch dezent altern.
Da er beim Vorbild sowohl als Güterwagen als auch als Behelfspackwagen eingesetzt wurde, ist er auch im Modell universell einsetzbar.

Mit diesem Umbau wollte ich ausprobieren, was man aus einem Standardwagen von LGB heraushohlen kann. Der Wagen ist weitestgehend maßstäblich. Dennoch ergeben sich ein paar Kompromisse aus der Verwendung des LGB-Wagens:

- Die Längsträger sitzen zu weit auseinander
- Der Rahmen ist nicht vollständig detailliert. Besonders fällt das Fehlen der Wagenkastenstützen auf.
- LGB hat für die Befestigung der Bretter Niete mittig auf die Bretter gesetzt. Korrekt wären Bolzen mit Mutter im Bereich der Bretterfugen.
- Bei korrekter Höhe des Wagenkastens hat der LGB-Wagen zwei Bretter zu wenig. Dadurch wird die Lüfterklappe etwas verzerrt.

Mit diesen Kompromissen kann ich aber Leben. Den nächsten Güterwagen werde ich dann aber selber bauen - ohne diese Kompromisse.

Abschließend möchte ich mich an dieser Stelle bei der Härtsfeldmuseumsbahn e.V. bedanken, die den Bau des Wagens durch die Bereitstellung von wertvollen Informationen erst möglich gemacht haben!

Viele Grüße

Max.
Zuletzt geändert von Max Hensel am 18. Jan 2023, 19:43, insgesamt 1-mal geändert.
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Georges Geiben
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Re: WEG Gw 156 - Ein LGB-Umbau

Beitrag von Georges Geiben »

Hallo Max,
vielen Dank für den fabelhaften Bericht. Da hast du dir aber viel Mühe gemacht mit dem Wagenmodell. :respekt:
Schöne Grüsse.
Max Hensel
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Re: WEG Gw 156 - Ein LGB-Umbau

Beitrag von Max Hensel »

Hallo Georges,

lieben Dank für die Blumen.

Viele Grüße

Max.
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